Pressemitteilung 20/2004 | 05.03.2003

Die Stimmung stimmt: 400 Schüler bauen auf dem Gelände der Landesgartenschau Trier ein Luftschloss

Die Stimmung ist gelöst, in einer lockeren Atmosphäre wird auf dem Gelände der Landesgartenschau Trier 2004 gebuddelt, gesägt und gebunden. Vom üblichen und nervigen Baulärm keine Spur. Schließlich wird auf der Baustelle des Grundstücks, auf dem der Weidenbau mit dem Namen ‚Luftschloss’ entstehen wird, mit Herz und Hand gearbeitet. Das zukünftige Naturgebäude wird als Ellipse mit den Maßen 20 mal 15 Meter gebaut, hat insgesamt vier Eingänge und wird im Innenraum mit vielen Säulen versehen sein. Die Kuppel wird eine Höhe von 5,50 Meter erreichen. Das Indianer-Tipi durchdringt diese Kuppel mit sieben Pfeilern, die acht Meter hoch sein werden. Benötigtes Material für dieses Projekt: Dreieinhalb LKW-Ladungen mit Weiden.

Bis zum 15. März übernehmen die Kinder zwischen den Staudenbändern und der neuen Sportanlage im Sattelpark das Kommando. Sarah Frank, die eigentlich im Hindenburg-Gymnasium am Mittwoch die Schulbank hätte drücken müssen, macht die Arbeit an der frischen Luft viel Spaß. Sie buddelt die Löcher, wo später die Weiden-Säulen stehen werden. „Die Arbeit ist schon hart, ich hoffe, dass wir uns regelmäßig abwechseln, aber es ist schon cool, an einem solchen Tag nicht in der Schule zu sein“, erklärt sie. Genau wie Sarah genießt auch ihre Mitschülerin Nadine Schweitzer die Stunden auf dem LGS-Gelände. „Die Atmosphäre ist sehr nett hier“, berichtet sie. Die Gymnasiastin ist damit beschäftigt, die Weiden zu bündeln – eine Erfahrung, die sie – wie die anderen „Bauleute“ auf dem Grundstück auch – zu ersten Mal macht.

Den europaweit bekannten Architekten Marcel Kalberer aus Überlingen am Bodensee, der die Baumaßnahmen zum Auftakt betreut, überrascht es nicht, dass die Stimmung stimmt. „Es besteht keine Hierarchie auf einer solchen Baustelle“, weiß Kalberer aus Erfahrung. Nach seinen Worten ist Zwang ein Fremdwort. „Wer kommt, der kommt eben, aber durch diese lockere Atmosphäre spielt niemand Chef und steht in der Regel auch keiner die ganze Zeit rum.“ 

Bevor die 400 Trierer Schüler, die sich täglich abwechseln, das „Luftschloss“ Wirklichkeit werden lassen, war ein Wettbewerb ausgeschrieben worden. Die beiden Schülerinnen der Freien Waldorfschule Trier, Anna Maria Kutta und Eva Brausch, waren die Siegerinnen. Kalberer war in der Jury vertreten und erklärt: „Die beiden jungen Damen hatten wahrlich eine innovative Idee, die sehr gut umgesetzt werden kann.“ Die Bauleitung übernehmen die beiden Landschaftsarchitekten Bernadette Mercx, die aus der Schweiz stammt, und Jörg Kaspari aus Trier. Hauptförderer des Projektes „Luftschloss“ ist die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, die Idee stammt allerdings von der Triererin Herta Häfele.

Es ist seit Jahrzehnten das erste Projekt, bei dem Kalberer nur die bautechnische Verantwortung trägt. Seine Referenzliste ist lang. Für die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) in Rostock 2003 entwarf er den Weidendom, in Bremerhaven und Kopenhagen entwickelte er ähnliche Naturgebäude. Weidenbauten gibt es laut Kalberer viele in Deutschland, er schätzt die Zahl auf 2000. Allerdings sollen bei weitem die meisten dieser Weidenbauten Iglus und Kriechgänge darstellen und erreichen dabei nicht die Dimensionen wie das „Luftschloß“ auf dem Petrisberg. Auch in der Region Trier-Luxemburg gibt es nach den Worten Kalberers kein Bauwerk dieser Art. Vor allem in den neuen Bundesländern steht der Weidenbau hoch im Kurs. Nach mehreren Projekten in Rostock, Leipzig und Weimar betreut der „Weidenbauguru“ jetzt ein Werk im brandenburgischen Spreewald.

Das Luftschloss im Internet:
www.luftschloss-lgs-trier.de