Pressemitteilung 39/2003 | 17.06.2003

Goethe, Napoleon und Sartre auf dem Petrisberg
Ausstellung im Rahmen der Landesgartenschau macht die Geschichte auf dem ehemaligen Militärgelände wieder lebendig

Nach Kunst, Natur und Sport nimmt nun auch der vierte Schwerpunkt der Landesgartenschau 2004, die Geschichte, konkrete Formen an. „Der Petrisberg – Triers Ursprung und Zukunft“ wird die Ausstellung heißen, die sich während der Großveranstaltung ab dem 22. April bis zum 24. Oktober auf über 600 m² Fläche im zentralen Bereich der LGS präsentieren wird.

Der Clou daran: Archäologen können heute bestätigen, was um das Jahr 1100 Mattheiser Mönche bereits wussten. Auf dem Petrisberg sind die ältesten Anfänge von Trier zu finden. Der Gründungslegende zufolge befand sich dort das Grab des Stadtgründers Trebeta, der Trier 1300 Jahre vor Rom gegründet haben soll – so wie es auf dem Roten Haus am Hauptmarkt steht. Und seit einigen Monaten bekräftigen Grabungsergebnisse, dass die Römer dort oben in der Tat ein Lager errichtet haben, bevor die Talstadt gegründet wurde. Nach über 2000 Jahren sahen Reste eines römischen Militärgeländes zum ersten Mal wieder Tageslicht. Der entstehende Wissenschaftspark wiederum wird Triers Zukunft entscheidend mitprägen.

Überhaupt ist der Petrisberg, der lange Zeit unbewohnt war, ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Im Mittelalter (und bis heute) vorwiegend für Weinbau und Schafzucht genutzt, galt er im 16. Jahrhundert als Hexentanzplatz und als der Ort, von dem aus Franz von Sickingen die Stadt Trier beschossen haben soll. Schon damals suchten Goldgräber am angeblichen Trebetagrab, und Goethe war ebenso dort wie Napoleon. Vor rund 100 Jahren begann dann mit dem Bau der Sickingenstraße die Erschließung des Petrisberges. Die Nazis haben dort schließlich die Kasernen und ein Kriegsgefangenenlager errichtet, in dem unter anderem der weltbekannte Philosoph Jean-Paul Sartre inhaftiert war.

All dies und vieles mehr wird in der Ausstellung sicht-, hör- und fühlbar sein. Bei einem Hexenprozess können alle Landesgartenschau-Besucher mithören und das „Live“-Gefühl erleben. Für jeden wird sichtbar, wie Napoleon die Schanzen auf dem Petrisberg besichtigte, und mit welchen gigantischen Plänen die Nazis den Petrisberg bebauen wollten. „Wir sind sehr froh,“ sagen LGS-Geschäftsführer Roman Schleimer, Kurator Dr. Frank G. Hirschmann und Stellvertreterin Dr. Monika Escher-Apsner „dass uns Professor Günther Franz und Herr Bernhard Simon vom Stadtarchiv sowie Frau Doktor Elisabeth Dühr vom Städtischen Museum so tatkräftig unterstützen, und dass wir so ausgewiesene Experten wie Doktor Lukas Clemens, Kustos vom Landesmuseum, und Professor Franz Irsigler von der Universität Trier mit im Boot haben.“

Auf Prof. Irsiglers Initiative soll unter anderem ein originalgetreuer Hexengarten aus dem 16. Jahrhundert angelegt werden, ein weiteres Highlight der Ausstellung wird ein von Prof. Klaus Gerteis angefertigtes Diarama sein. Grabungsleiter Dr. Hartwig Löhr und sein Team vom Rheinischen Landesmuseum werden ihre neuesten Funde vom Petrisberg präsentieren und die Kartographie (Prof. Jürgen Bollmann, Dr. Andreas Müller) über eine ebenso aufwendige wie beeindruckende Computer-Visualisierung den Blick in die Zukunft eröffnen. Dazu gibt es eine Diaschau über den Petrisberg und seine Menschen im Wandel der Zeiten und Jahreszeiten.

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