Goethe, Napoleon und Sartre auf dem Petrisberg
Die Historische Ausstellung im Rahmen der Landesgartenschau wird die Geschichte des Petrisberges lebendig werden lassen
Nach Kunst, Natur und Sport nimmt nun auch der vierte Schwerpunkt der Landesgartenschau 2004, die Geschichte, konkrete Formen an. „Der Petrisberg – Triers Ursprung und Zukunft“ wird die Ausstellung heißen, die sich auf über 600 m2 Fläche und in 15 Räumen im zentralen Bereich der LGS präsentieren wird.
Der Clou daran: Die Archäologie kann heute bestätigen, was um das Jahr 1100 Mattheiser Mönche erfunden haben, dass nämlich auf dem Petrisberg die ältesten Anfänge von Trier zu suchen sind. Der Gründungslegende zufolge befand sich dort oben das Grab des sagenhaften Stadtgründers Trebeta, der Trier 1300 Jahre vor Rom gegründet haben soll – so wie es ja auch auf dem Roten Haus am Hauptmarkt steht. Und seit einigen Monaten bestätigen Grabungsergebnisse, dass die Römer dort oben in der Tat ein Lager errichtet haben, bevor die Talstadt gegründet wurde. Die Funde lassen sich auf den Winter 30/29 vor unserer Zeitrechnung datieren und sind somit gut 10 Jahre älter als die Stadt selbst.
Aber der Petrisberg ist nicht nur Vergangenheit: Der im Entstehen begriffene Wissenschaftspark und die neue Wohnsiedlung wiederum werden Triers Zukunft entscheidend mitprägen.
Überhaupt ist der Petrisberg, auch wenn er lange Zeit unbewohnt war, ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Im Mittelalter (und bis heute) vorwiegend für Weinbau und Schafzucht genutzt, galt er im 16. Jahrhundert als Hexentanzplatz und als der Ort, von dem aus Franz von Sickingen die Stadt Trier beschossen haben soll. Schon im Mittelalter haben „Touristen“ am angeblichen Trebetagrab nach Gold gesucht, und Goethe war ebenso dort oben wie Napoleon. Vor rund 100 Jahren begann dann mit dem Bau der Sickingenstraße die Erschließung des Petrisberges, und die Nazis haben dort schließlich die Kasernen und ein Kriegsgefangenenlager errichtet, in dem u. a. Jean-Paul Sartre gesessen und sein erstes Theaterstück geschrieben hat. 1987 diskutierte von hier aus Altbundeskanzler Helmut Schmidt mit dem ehemaligen US-Außenminister Walter Kissinger aktuelle Themen der Weltpolitik.
All dies und vieles mehr wird in der Ausstellung sichtbar, hörbar und fühlbar sein. Man wird einem Hexenprozess zuhören können, dabei sein, wenn Napoleon die Schanzen auf dem Petrisberg besichtigt, und den Kopf schütteln dürfen über die gigantischen Baupläne der Nazis. Man kann Archäologen und Archäologinnen bei der Arbeit zusehen, auf Dias den Petrisberg im Wandel der Zeiten und Jahreszeiten verfolgen und einen Hexenkräutergarten besichtigen. Natürlich fehlen auch die neuesten Funde vom Petrisberg ebenso wenig wie Briefe, die Sartre von dort an seine Geliebte Simone de Beauvoir geschrieben hat, und eine ebenso aufwendige wie beeindruckende Computer-Visualisierung wird den Blick in die Zukunft des Petrsibergs eröffnen.
Kurator: Dr. Frank G. Hirschmann
Stellvertretende Kuratorin: Dr. Monika Escher-Apsner
wissenschaftlicher Beirat:
Prof. Dr. Jürgen Bollmann
Dr. Lukas Clemens
Dr. Elisabeth Dühr
Prof. Dr. Günther Franz
Prof. Dr. Klaus Gerteis
Prof. Dr. Franz Irsigler
Dr. Hartwig Lohr
Dr. Andreas Müller
Dr. Gregor Scherf
Dipl.-Arch. Bernhard Simon
studentische Mitarbeit:
Andreas Daus
Ann-Sophie Zahler
Begleitend zur historischen Ausstellung „Der Petrisberg: Triers Ursprung und Zukunft. Archäologie – Geschichte - Kartographie“ auf der Landesgartenschau Trier 2004 veranstalten die LGS und das Bildungszentrum Trier eine Vortragsreihe im attraktiven Rahmen des Spiegelzeltes jeweils am ersten Sonntag des Monats als Matinee um 13 Uhr.
2. Mai 2004:
Dr. Frank G. Hirschmann (Mittelalterliche Geschichte):
„Der Petrisberg – mehr als 2000 Jahre Geschichte. Eine Einführung in die Ausstellung“
6. Juni 2004:
Dr. Hartwig Löhr (Archäologie)
„Die neuesten archäologischen Funde vom Petrisberg“
4. Juli 2004:
Dr. Lukas Clemens (Mittelalterliche Geschichte)
„Mittelalterlicher Weinbau auf dem Petrisberg“
7. August 2004:
Dr. Rita Voltmer (Geschichtliche Landeskunde)
„Ein angeblicher Hexentanzplatz auf dem Petrisberg“
5. September 2004:
Dr. Gabriele Clemens (Neuere Geschichte)
„Der Petrisberg zur Nazizeit - das Stalag 12“
3. Oktober 2004, 20 Uhr:
Prof. Dr. Hermann Kleber (Romanistische Literaturwissenschaft)
„Jean-Paul Sartre als Kriegsgefangener auf dem Petrisberg“
(mit Auszügen aus Sartres in Trier verfasstem Theaterstück „Bariona“)
Der Eintritt ist frei.